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Ein Artikel über Astrologie

Astrologie wird heutzutage als Pseudowissenschaft angesehen, sie ist wissenschaftlich nicht belegbar. Trotzdem fasziniert der Nachthimmel die Menschheit. Fast so alt wie diese Faszination, ist auch die Astrologie.

Die Neugier ist eines der menschlichen Grundbedürfnisse, ohne sie hätte sich die Menschheit nicht einmal ansatzweise so weit entwickelt. Der Himmel stand schon immer für das Unbekannte, da er unerreichbar schien. So zog er die Neugier der Menschheit auf sich.

Zudem verfügt der Mensch über das tiefe Bedürfnis der Sicherheit. Ein Teil von etwas Großem zu sein, zu etwas bestimmt zu sein und sein Schicksal in den Sternen lesen zu können, vermittelt dieses Gefühl von Sicherheit und auch Bedeutung.

Mich fasziniert die Astrologie vor allem aus einem Grund: Wie kann sie ausgedacht, ja sogar falsch sein, wenn sie sich so zutreffend anfühlt bzw. anhört?

Wie kann mich etwas so gut verstehen, wenn es wissenschaftlich gesehen reiner Humbuck ist?

Doch was genau ist Astrologie eigentlich?Definiert wird sie als Deutung von Ereignissen und Charaktereigenschaften auf Grundlage der Position der Gestirne. Sie geht von einem Zusammenhang zwischen irdischem Geschehen und Stern- und Planetenpositionen aus.

Ihren Ursprung findet sie in Mesopotamien. Vor 3000 Jahren begannen die Babylonier den Himmel zu beobachten. Ursprünglich wurde sie zunächst nicht für persönliche Horoskope genutzt, sondern wurde für Deutungen von Politik, Wirtschaft und Natur genutzt. Die Astrologie erlangte ihre hauptsächlichen Deutungs- und Berechnungsgrundlagen, so wie wir sie heute kennen, in Alexandria.

Lange Zeit waren die Astrologie und die Astronomie eine gemeinsame Wissenschaft. Die Astronomie ist heute die Wissenschaft welche die Positionen, Bewegungen und Eigenschaften der Objekte im Universum mit naturwissenschaftlichen Mitteln erforscht. Sie ist die Grundlage der Astrologie, diese geht einen Schritt weiter und interpretiert die Fakten, welche die Astronomie liefert.

Wann genau sich die beiden voneinander trennten, ist nicht so leicht zu sagen. Allerdings wird davon ausgegangen, dass die Trennung ungefähr im Zeitalter der Aufklärung verordnet werden. Doch um die Astrologie verurteilen zu können, sollte man sich erst einmal damit auseinandersetzen, wie sie eigentlich funktioniert.

Die meisten Menschen kennen ihr „Sternzeichen“, also das Zeichen, welches einem anhand des Geburtsdatums zugeordnet wird. Doch die Astrologie ist so viel mehr. Das „Sternzeichen“ ist eigentlich das sogenannte Sonnenzeichen und es gehört zu den drei wichtigsten Zeichen eines Geburtshoroskops. Diese sind das Sonnenzeichen, das Mondzeichen und der Aszendent.

Das Sonnenzeichen ist das Tierkreiszeichen, in dem die Sonne zu dem Zeitpunkt der Geburt stand. Der Aszendent ist das Tierkreiszeichen, welches zum Zeitpunkt der Geburt  am östlichen Horizont aufging. Das Mondzeichen ist das Tierkreiszeichen in dem der Mond zum Zeitpunkt der Geburt stand. Der Tierkreis ist die jährliche Bewegung der Sonne auf dem Himmel. Diese wird in zwölf gleich große 30 Grad Abschnitte eingeteilt, jeder Abschnitt ist einem Sternzeichen zugewiesen.

Bevor wir tiefer in die Interpretationsmethoden der großen Drei eintauchen, kommen allerdings noch ein paar grundlegende Fragen auf:

  1. Die Neigung der Erdachse hat dafür gesorgt, dass sich die Sternbilder um ca. einen Monat verschoben haben. Bin ich also Ende Juni geboren, sagt mir die Astrologie ich wäre Krebs, aber aufgrund der Verschiebung müsste ich eigentlich Zwilling sein, oder?

Nein, das stimmt so nicht. Die Astrologie ist eine klassische Naturphilosophie. Die eigentlichen „Hauptrollen“ spielen nicht die Sternbilder, sondern die Planeten. Die Sternbilder wurden für die Erschaffung der Abschnitte auf der bahn der Sonne genutzt, sie sind Symbole. Wichtig ist also eigentlich nicht in welchem Sternzeichen ein Planet steht, sondern in welchem Abschnitt der Sonnenbahn am Himmel. Die Sternzeichen werden zur Orientierung genutzt, somit bleibt die Deutung gleich, auch wenn sich die Sternenbilderverschoben haben.

  1. Astrologie entstand zu einer Zeit, in der man davon ausging, dass die Erde und nicht die Sonne, im Mittelpunkt unseres Sonnensystems steht. Ist Astrologie somit nicht auf einem falschen Weltbild aufgebaut?

Tatsächlich spielt das keine Rolle, die Deutungen beziehen sich sowieso auf die Erde und das irdische Geschehen. Nun zurück zu den großen Dreien und ihren Deutungsmethoden. Das Sonnenzeichen steht für den Kern und die Identität eines Menschen. Der Aszendent steht dafür, wie ein Mensch von außen wahrgenommen wird und sich nach außen gibt. Das Mondzeichen steht für die Innenwelt und speziell für die Emotionen eines Menschen.

Allein durch die Ergänzung dieser beiden Zeichen wird die Deutung des Geburtshoroskop viel persönlicher und vielschichtiger und das war immer noch nicht alles. Das Geburtshoroskop kann man sich wie einen Screenshot des Nachthimmels und der Sternenkonstellationen zum Zeitpunkt der Geburt vorstellen. Also wie die Sterne und Planeten zum Zeitpunkt der Geburt standen. Das Kräfteverhältniss des Universums wird auf den Planeten abgelesen, somit sind die Planeten nicht die Auslöser, sondern zeigen und offenbaren die Kräfte lediglich durch ihre Bewegung oder Position. Die Sterne selbst stehen für Prinzipien und jedem Tierkreiszeichen wird ein Planet zugeordnet.

Außerdem sind alle Zeichen einem Element zugeordnet: Wasser, Luft, Erde und Feuer, denn wie bereits erwähnt ist die Astrologie eine Naturphilosophie. Durch dieses Sytem erklärt sie die Wesensart der Sternzeichen. Feuer steht für Energie, Leidenschaft und Spontanität. Erde für Bodenständigkeit, Zuverlässigkeit und Praktikabilität. Luft für Vernunft, Kommunikation und Intellekt und Wasser für Sensibilität, Intuition und Tiefe.

Beim Geburtshoroskop sind nicht nur die Positionen der Planeten in den Sternbildern wichtig, sondern auch die Positionen der Planeten in dem sogenannten Häusersystem. Die genauere Erklärung dieses Systems erfordert einen eigenen Artikel und ist für diesen schlicht zu umfangreich. Um es einfach auszudrücken kann man sich ein Geburtshoroskop wie ein Theater vorstellen: Die Planeten sind die Schauspieler, die Sternbilder bzw. Tierkreiszeichen sind die Rollen, die von den Planeten gespielt werden und die Häuser des Häusersystems sind die Kulisse, also der Lebensbereich, auf den sich die Position der Gestirne auswirkt.

Nun haben wir gehört, was Astrologie eigentlich ist und wie sie funktioniert. Doch fest steht weiterhin sie ist eine Pseudowissenschaft. Aber wie ist es einer Pseudowissenschaft möglich, scheinbar so treffende Aussagen über den Charakter und das Leben einer Person zu treffen?

Sie fasziniert auch heute noch Millionen von Menschen. Wie kann das sein, wenn alles nur „ausgedacht“ ist?

Hierfür spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Vor allem, wenn wir über Zeitungshoroskope reden, ist der wichtigste Faktor vermutlich der Barnum Effekt. Er bezeichnet die Neigung des Menschen, vage, allgemeine und häufig positive Aussagen über sich selbst so zu interpretieren, dass sie als passend empfunden werden. Er wird auch persönliche Validierung genannt. Zeitungshoroskope werden so formuliert, dass sie auf jeden zutreffen könnten, oder so, dass sich jeder etwas passendes heraussuchen kann. So findet sich jeder in ihnen wieder und sie werden als zutreffend empfunden.

Doch trifft dieser Effekt auch auf so tiefgehende, ganzheitlich analysierte Geburtshoroskope zu?

Ein weiterer Faktor, welcher vor allem die Beliebtheit der Astrologie bei den jüngeren Menschen erklärt, ist die Suche nach Sinn. Sie ist ein universeller Teil des Menschseins und so kann auch Astrologie das Gefühl von Sinn oder auch teil von etwas größerem zu sein geben. Ein in den Sternen vorbestimmtes Schicksal ist schlichtweg magischer und bedeutender als die Vorstellung, dass unsere Welt von Zufall und Chaos regiert wird. Zudem kann eine zutreffende Deutung Bestätigung und Zugehörigkeit vermitteln, vor allem in unsicheren Zeiten spendet das Kraft und kann Menschen in ihrer Identität bestätigen.

Ob Wissenschaft oder Pseudowissenschaft, für mich steht fest, dass die Astrologie ein menschliches Kulturgut ist. Sie ist eine Jahrtausende alte Kunst die Sterne nicht nur zu beobachten, sondern auch zu deuten und zu interpretieren. Ob man daran glaubt oder nicht, man sollte sie als antikes Kunstwerk und menschliche Geschichte schätzen und respektieren.

Wer weiß, ob die Menschheit sich sonst so sehr für die Sterne interessiert hätte und wo wir heute wären ohne die Faszination Nachthimmel.