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Ein Artikel über Sprache

Sprache fasziniert mich schon lange. Ich erinnere mich noch genau, wie mir in der Grundschule das Lesen und Schreiben beigebracht wurde. Da gab es diesen Moment, in dem ich realisiert habe, dass das Schreiben und das Lesen durch das Aneinanderreihen verschiedener Buchstaben, die verschiedene Laute verkörpern entsteht. Für mein sechsjähriges Ich war das wie eine kleine Erleuchtung.

Nichts ist so alltäglich wie unsere Sprache. Wir brauchen sie nicht nur zum Lesen und Schreiben, sondern auch um miteinander zu kommunizieren, in der Schule, auf der Arbeit, beim Musik hören oder auch beim Denken. Sie ist essenziell für unsere Lebenswirklichkeit.

Der Mensch verständigt sich als einziges Lebewesen der Erde durch Sprache. Natürlich verständigen sich auch Tiere miteinander, aber wenn wir hier von Sprache sprechen, meine ich explizit die Sprache, welche aus gesprochenen Wörtern und nicht lediglich aus Lauten besteht.

Insgesamt gibt es 7000 verschiedene Sprachen, dabei verwenden wir sie nicht nur für Kommunikation, sondern sie dient auch der Kultur, der Gesellschaft, der Identität, der Kunst und des Selbstausdrucks.

Forscher des Max-Planck-Instituts fanden Hinweise darauf, dass unsere Sprachfähigkeit bereits auf den gemeinsamen Vorfahren von uns und dem Neandertaler zurückgeht und somit rund 500.000 Jahre alt ist. Sie entstand aus dem Zusammenspiel von Kultur und Genen in einem langwierigen evolutionären Prozess.

Heutzutage sprechen wir jedoch ganz anders als zum Beispiel im Mittelalter. Unsere Kommunikation beschleunigt sich. Sätze werden auf das Nötigste beschränkt und unnötige Ausschmückungen weg gelassen. Deswegen fällt es Schülern heutzutage extra schwer Werke wie „Faust“ von Goethe oder Ähnliches zu lesen.

Natürlich spielte bei Sprache auch immer der gesellschaftliche Rang eine große Rolle. Sie stand für Macht und Bildung. Wer Lesen und Schreiben kann, kann seine Meinung verbreiten und sich selbst durch Recherche weiterbilden. So wurde sie auch immer wieder Menschen vorenthalten, um sie klein zu halten und die Macht auf nur wenige zu konzentrieren. Im Mittelalter konnte man einen Adligen und einen Bauern, schon allein wegen der Sprache klar voneinander abgrenzen.

Heute unterscheiden sich unsere Sprechweisen, zumindest hier in Deutschland, hauptsächlich durch unser soziales Umfeld, da wir in einem Land leben, in dem wir das Recht auf Bildung besitzen und zur Schule verpflichtet sind.

Jedenfalls steht fest, dass sich unsere Sprache verändert und beeinflusst wird. Sprachwandel bedeutet die fortlaufende Veränderung von Sprachelementen. Er verändert nicht nur unseren Wortschatz, sondern auch unsere Art zu sprechen, zu schreiben und Sätze zu formulieren. Der Sprachwandel erfolgt schrittweise und gehört zu einer lebendigen Sprache dazu. Verändert sich eine Sprache nicht, erschwert das die Kommunikation, denn irgendwann würde sie nicht mehr zum Zeitgeist und unserer Lebens Realität passen. Er resultiert aus gesellschaftlichem Wandel, technologischen Fortschritt, aber auch aus kulturellen Einflüssen. Gerade durch die Globalisierung und durch social Media entsteht ein ständiger Kulturaustausch, welcher sich auch auf die Sprache auswirkt.

Unsere Sprache wandelt sich vor allem in eine Richtung: Sie wird einfacher, schneller und präziser, somit auch effizienter. Unsere Welt wird immer visueller, während beispielsweise in der Renaissance Dichter und Poeten absolute Stars waren, weichen Gedichte und Schreibkunst der Filmindustrie oder auch Social Media.

Natürlich verwenden auch diese Medien Sprache, doch die Sprache steht nicht mehr im Vordergrund, sie ist nicht mehr das medium der Kunst, sondern unterstützt sie. Diese Verdrängung der Sprache von der Bühne geschieht vor allen Dingen in Filmen, in denen oft das Visuelle im Vordergrund steht. Social Media würde ich im Allgemeinen eher weniger als Kunstform bezeichnen, wobei auch sie ein medium der Kunst sein kann.

Wir alle wissen, dass social Media heutzutage nicht mehr weg zu denken ist und uns ist doch auch allen klar, dass sie einen großen Einfluss auf die Sprache hat, vor allem auf die jüngeren Generationen, oder? Und wenn ja, inwiefern beeinflusst sie unsere Art zu sprechen?

Fast jeder Jugendliche besitzt irgendein social Media Profil und sogar Kinder sind auf den sozialen Plattformen unterwegs. Besonders hier soll Sprache möglichst effizient und präzise sein. So werden viele Akronyme verwendet oder auch gerne mal englische begriffe „eingedeutscht“.

Wer die Jugendwörter der letzten Jahre kennt, dem ist das sicherlich ebenfalls aufgefallen. 2025 war es „das crazy“, 2023 „goofy“, 2022 „smash“ und 2021 war es „cringe“, um nur ein paar zu nennen. Bedeutet das, dass social media unseren Wortschatz schrumpft?

Dass unser Wortschatz aufgrund von social media schrumpft, ist nicht nachgewiesen, dass es unsere Sprache beeinflusst, ist offensichtlich. Der Linguist Simon Meier-Vieracker erklärt in einem Interview beim NDR, dass social media unseren Wortschatz nicht schrumpft lässt, sondern ihn genau genommen sogar erweitert. Zwar überwiegend durch englische Begriffe, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass immer mehr Wörter unserem Sprachgebrauch hinzugefügt werden.

Ein Sprachwandel ist also normal und social media verkleinert unseren Wortschatz nicht. Einfacher wird unsere Sprache trotzdem und das kann gefährlich sein. Warum?

Wer kennt nicht den dystopischen Roman „1984“ von James Orwell, erschienen 1949. Orwell stellt in seinem Werk einen totalitären Überwachungsstaat im Jahr 1984 dar. Wer den Roman nicht kennt, der kennt vermutlich trotzdem das berühmte Zitat: „Big Brother is watching you.“. der Staat Ozeanien wird von einer einzigen Partei namens „Die Partei“ regiert. Der „Große Bruder“ ist der Diktator, also das Oberhaupt dieses Staates.

„Die Partei“ verwendet eine sehr interessante und sehr mächtige Methode, um die Menschen von Ozeanien vom Freien Denken abzuhalten. Jedes Jahr wird die Sprache Ozeaniens vereinfacht und der Wortschatz verkleinert. Genannt wird sie „Neusprech“ und sie dient einzig und allein dem Zweck kritische oder abweichende Gedanken unmöglich zu machen. Sie soll also dem Menschen das freie Denken erschweren. Kennt man das Wort für Freiheit nicht, kann man sein Verlangen oder seine Sehnsucht danach schlicht nicht benennen, somit auch nicht kommunizieren und vor allem wird es sehr schwierig es überhaupt erst einmal zu denken.

Natürlich lässt sich die Vereinfachung unserer Sprache durch den Sprachwandel nicht mit der systematischen Vereinfachung von „Neusprech“ vergleichen. Die Vereinfachung unserer Sprache, vor allem durch social media geschieht zufällig, willkürlich und daher auch viel, viel langsamer als die kontrollierte Vereinfachung eines Überwachungsstaats.

Ich will in diesem Artikel auch nicht zu Verschwörungen aufrufen, sondern lediglich zum Nachdenken anregen. Unsere Sprache besitzt extrem viel Macht. Es ist wichtig sich dessen bewusst zu sein und sich nicht so leicht von großen Reden beeinflussen zu lassen.

Wenn du liebe Leserin, lieber Leser jetzt bewusster über Sprache nachdenkst und ich vielleicht ein wenig Faszination für Sprache in dir wecken konnte, so habe ich mein Ziel mit diesem Artikel bereits völlig erreicht. Denn ohne Sprache, könntest du diesen Artikel nicht lesen, ich könnte ihn nicht schreiben und wir wären uns vielleicht nie begegnet.

Also habe ich noch ein wenig weiter recherchiert und ein paar wirklich hübsche deutsche Wörter gefunden, die es wert sind in Erinnerung zu bleiben. Denn auch wenn Sprachwandel wichtig ist, seinen eigenen, persönlichen Wortschatz zu erweitern kann nie schaden und vielleicht kennst du ja schon ein paar:

ambig = mehrdeutig

abkupfern = abschreiben

apart = besonders reizvoll

ästimieren = jmd. Schätzen/würdigen

berückend = faszinierend, betörend

blümerant = unwohl, übel

bravourös = bravo

Das Brimborium = überflüssiger Aufwand

desaströs = Desaster

desolat = trostlos

fulminat = ausgezeichnet

gebauchpinselt = geschmeichelt fühlen (mein persönlicher Favorit)

heimelig = gemütlich, heimisch

impertinent = frech, unverschämt

kapriziös = launenhaft, eigenwillig

Das Kinkerlitzchen = die Kleinigkeit

Das Klimbim = überflüssiger Kram

knauserig = geizig

Der Luftikus = leichtsinniger, nicht zuverlässiger Mann

Die Petitesse = Kleinigkeit

pikiert = gekränkt

promenieren = Promenade entlanglaufen

saumselig = etwas langsam ausführen

Der Überschwupper = Pullover